<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Texte &#8211; wjb</title>
	<atom:link href="https://www.willem-jan-beeren.de/project-type/texte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.willem-jan-beeren.de</link>
	<description>Architektur und Kunst</description>
	<lastBuildDate>Fri, 24 Mar 2023 14:52:32 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9</generator>

<image>
	<url>https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/cropped-icon2022-32x32.png</url>
	<title>Texte &#8211; wjb</title>
	<link>https://www.willem-jan-beeren.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">91188664</site>	<item>
		<title>Architektur und Wahrnehmung</title>
		<link>https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/architektur-und-wahrnehmung/</link>
					<comments>https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/architektur-und-wahrnehmung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[wjb]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2021 11:35:45 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">http://www.willem-jan-beeren.de/?post_type=jetpack-portfolio&#038;p=2280</guid>

					<description><![CDATA[“&#8230;Dass die Architektur etwas Unteilbares sei. Mensch und Architektur in der Wahrnehmung.”Prof. Willem-Jan Beeren, in: Mensch + Architektur, 105/106 / 2020, S. 22-29. Verlag Fördergesellschaft Internationales Forum Mensch + Architektur e.V. Dresden Was ist Architektur? Diese Frage beschäftigt uns von Anfang an des Architekturstudiums an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter. Im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>“&#8230;Dass die Architektur etwas Unteilbares sei. Mensch und Architektur in der Wahrnehmung.”<br>Prof. Willem-Jan Beeren, in: <a href="https://www.mensch-und-architektur.org/produkt/architektur-wahrnehmen-perceiving-architecture/" data-type="URL" data-id="https://www.mensch-und-architektur.org/produkt/architektur-wahrnehmen-perceiving-architecture/">Mensch + Architektur</a>, 105/106 / 2020, S. 22-29. Verlag Fördergesellschaft Internationales Forum Mensch + Architektur e.V. Dresden</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-style-rectangular"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="352" height="494" data-attachment-id="2585" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/mua_cover_2-2020/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_2-2020-e1656086470576.png" data-orig-size="460,646" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="MuA_Cover_2-2020" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_2-2020-e1656086470576-205x288.png" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_2-2020-e1656086470576-352x494.png" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_2-2020-e1656086470576-352x494.png" alt="" class="wp-image-2585" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_2-2020-e1656086470576-352x494.png 352w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_2-2020-e1656086470576-205x288.png 205w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_2-2020-e1656086470576.png 460w" sizes="(max-width: 352px) 100vw, 352px" /></figure>



<p>Was ist Architektur? Diese Frage beschäftigt uns von Anfang an des Architekturstudiums an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter. Im Einstiegsmodul „Mensch, Architektur, Gesellschaft“ und insbesondere in den Veranstaltungen des Modulbereichs „Architektur und Kunst“ widmen wir uns übend, erlebend und denkend dieser Frage. Dabei entsteht ein Pendelschlag zwischen Produktion und Rezeption, Expression und Impression, einer Grundbewegung, die allem Entwerfen zugrunde liegt.</p>



<p>In seinem Buch „Architektur Erlebnis“ beschreibt Steen Eiler Rasmussen eine Begebenheit mit einem Bauherrn: „Ich sollte einmal einem Mann einen Entwurf zu seinem Haus erklären. Als er die Zeichnungen betrachtete, sagte er abwehrend: ‚Ich habe nun einmal einen Schnitt nicht gern.‘ Er war eine zartbesaitete Natur. (…) Es kann (…) sein, daß seine Abneigung gegen den Schnitt von der richtigen Ansicht stammte, daß&nbsp;<em>die Architektur etwas unteilbares sei</em>.“<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn1"><sup>[1]</sup></a></p>



<p>Wie soll man etwas studieren, was im Grunde „unteilbar“ ist? Denn im Studium ist es unerlässlich, sich dem Ganzen in Schritten und Teilaspekten zu nähern, will man es schließlich zu einer wie auch immer gearteten Meisterschaft bringen. Schon Goethe ließ Mephisto im ersten Teil von Faust die berühmten Worte sagen: „Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben / Sucht erst den Geist herauszutreiben, / Dann hat er die Teile in seiner Hand, / Fehlt, leider! Nur das geistige Band.“<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn2"><sup>[2]</sup></a></p>



<p>Nun formuliert Rasmussen weiter: „Man soll nicht erwarten, genau erklären zu können,&nbsp;<em>was</em>&nbsp;sie ist (<em>die Baukunst, Anm. des Verf.</em>) – die Grenzen sind unbestimmt. Kunst soll überhaupt nicht erklärt werden, sie soll wahrgenommen werden – man soll sie erleben, um sie zu verstehen.“<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn3"><sup>[3]</sup></a></p>



<p>In diesen Worten steckt eine Methode, die wir auf das Studium der Architektur anwenden: Erleben, um zu verstehen. Das bevorzugte Mittel, um das Erleben anzuregen, ist dabei die eigene künstlerisch-gestalterische Tätigkeit: Im Erleben der eigenen schöpferischen Tätigkeit wird das Erzeugte verstanden, in anderen Worten: Im übenden Entwerfen von Architektur wird Architektur erlebt und verstanden.</p>



<p>„Es ist Gründonnerstag. Ich sitze in der langen Loggia der Tuchhalle. Vor mir das Panorama des Platzes mit Häuserfront, Kirche und Monumenten. Die Wand des Cafés im Rücken. Die richtige Dichte von Menschen. Ein Blumenmarkt. Sonne. Es ist 11 Uhr vormittags. Die gegenüberliegende Platzwand liegt im Schatten, wirkt angenehm bläulich. Wunderbare Geräusche: Nahe Gespräche, Schritte auf dem mit Steinplatten belegten Platz, leichtes Gemurmel der Menge (keine Autos, kein Motorenlärm), ab und zu entfernte Baugeräusche. Vögel, schwarze Punkte, fliegen eifrig und freudig, so kommt es mir vor, ein kurzwelliges Linienmuster in die Luft. Die beginnenden Feiertage haben die Schritte der Menschen bereits verlangsamt, so scheint es. Zwei Nonnen, lebhaft gestikulierend, gehen quer über den Platz; leichtfüßig, ihre Hauben wehen im Wind. Jede trägt eine Plastiktasche. Die Temperatur ist angenehm frisch und warm zugleich. Ich sitze auf einem gepolsterten Sofa aus bleichgrünem Samt. Die Bronzefigur auf dem hohen Sockel vor mir auf dem Platz dreht mir den Rücken zu und schaut wie ich auf die zweitürmige Kirche. Die zwei Türme der Kirche haben ungleiche Helme, beginnen unten gleich und werden gegen oben hin individueller. Einer ist höher und hat eine um die Helmspitze gelegte Goldkrone.“<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn4"><sup>[4]</sup></a></p>



<p>Unter der Überschrift „Die Magie des Realen“ zitiert Peter Zumthor aus einem seiner Notizbücher. Was hier geschrieben wird, ist konkrete Architekturerfahrung: Weniger eine formale Beschreibung eines Gebäudes, eines Raumes, eines Platzes als vielmehr die Interaktion, die Choreografie, die durch die baulichen Rahmenbedingungen entsteht. An diesem Beispiel zeigt sich, dass Architekturerfahrung vielschichtig ist. Insbesondere die Gleichzeitigkeit und Überlagerung verschiedener Sinneseindrücke macht eine Architekturerfahrung zu einem synästhetischen und immersiven, den Betrachter einschließenden Erlebnis.</p>



<p>Um diese Komplexität nun zumindest anfänglich zu durchdringen, nehmen wir uns im Laufe des Architekturstudiums in dafür vorgesehenen Lehrveranstaltungen einzelne Sinnesbereiche vor und verknüpfen diese mit ausgewählten künstlerischen Methoden. Die Sinneslehre Rudolf Steiners<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn5"><sup>[5]</sup></a>&nbsp;und darauf aufbauenden Arbeiten u.a. von Herbert Hensel und Hans Jürgen Scheurle<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn6"><sup>[6]</sup></a>&nbsp;sind uns dabei ebenso Richtschnur wie der aktuelle Diskurs zur Architekturwahrnehmung und -psychologie<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn7"><sup>[7]</sup></a>.&nbsp;</p>



<h1 class="wp-block-heading">Sehen lernen</h1>



<p>Wir fragen uns: Was sehen wir? Wenn wir versuchen, zu beschreiben, was wir sehen, verlassen wir in den allermeisten Fällen unbewusst bald den rein wahrnehmenden Bereich und beschreiben interpretative, gedachte und vorgestellte Elemente: Ich sehe einen Baum, ein Haus, ein Fenster, eine Tür. Es sind Begriffe, die wir benutzen, um dem einen Namen zu geben, was sich uns als Sinneseindruck entgegenstellt. Wenn wir streng bei dem bleiben, was wir wirklich sehen, können wir lediglich Substanzqualitäten, Materialeigenschaften, Farben, Lichtabstufungen umschreiben. Die gesehene Welt ist eine Welt visueller Qualitäten, bestehend aus Farben, Licht und Schatten.&nbsp;</p>



<p>Als Unterstützung dieser Steigerung des Sehens zeichnen wir. Das Zeichnen führt meine Aufmerksamkeit in die gesehene Welt und zugleich in die zeichnende Hand. Wenn ich es schaffe, mich von der Vorstellung zu lösen, eine möglichst realistische Abbildung des Gesehenen zu erhalten, entsteht eine unmittelbare Verbindung von Gesehenem und dem Zeichnenden. Meine Aufmerksamkeit pendelt zwischen Objekt und Zeichnung und das Gefühl der Kongruenz wird zum Gradmesser der gelingenden Tätigkeit. Je mehr ich es schaffe, im Sehvorgang in das Gesehene aufzugehen, desto unmittelbarer und „richtiger“ wird die Zeichnung: Sie wird kongruent zu dem Gesehenen, ohne bloß ein Abbild zu sein.</p>



<p>Wir zeichnen im Architekturstudium von Anfang an und kultivieren dies auch auf Reisen und Exkursionen. Gerade im Zeitalter der digitalen Entwurfswerkzeuge bleibt das Zeichnen relevant, nicht nur als Darstellungs-, sondern aufgrund seiner erzieherischen Eigenschaft vor allem als grundlegende Wahrnehmungshilfe.</p>



<h1 class="wp-block-heading">Wahrnehmen mit dem Leib</h1>



<p>Das Erlebnis von Architektur geht weit über die rein visuell, Gestalten und Formen erfahrende Tätigkeit hinaus. Denn Architektur ist nicht in erster Linie Form, sondern Raum. Wir verstehen Raum dabei nicht als leeren Behälter, sondern mit Christopher Dell „als dynamische Konstellation, die performativ produziert wird.“<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn8"><sup>[8]</sup></a>&nbsp;Die Raumwahrnehmung ist ein Zusammenspiel verschiedener Sinneseindrücke, die insbesondere aus der Selbstwahrnehmung der eigenen&nbsp;leiblichen&nbsp;Tätigkeiten resultieren. Wir unterscheiden dabei Körper von Leib: Der Körper ist das äußerlich wahrnehm-, mess- und wägbare Objekt, der Leib das sich innerlich erlebende, wahrnehmende und sich bewegende Subjekt.</p>



<p>Will man ein Gebäude in Gänze erfassen, ist es in der Regel zu groß ist, um es auf einen Blick, aus einer Perspektive zu greifen. Man muss sich im Gebäude bewegen, es in der Bewegung von verschiedenen Seiten begehen und über die Verknüpfung einzelner Erlebnisse als lebendiges Bild in sich aufbauen. Dabei wird man kontinuierlich leiblich angeregt und zur leiblichen Nachahmung aufgefordert. Die z.B. von Wolfgang Meisenheimer beschriebenen „Zeigequalitäten“ der Architektur, die Gesten und Choreografien des Raumes und der Raumabfolgen regen in uns Bewegungen an, über die wir innerlich Anteil nehmen an dem, was äußerlich vor sich geht<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn9"><sup>[9]</sup></a>.&nbsp;</p>



<p>Ein besonderes Augenmerk im zweiten Semester des Architekturstudiums legen wir auf die Sensibilisierung und Aktivierung dieser Leibwahrnehmung. Dafür unterrichten wir Feldenkrais, Bothmergymnastik und Spatial Dynamics&nbsp;®&nbsp;(nach Jaimen McMillan), die, in unterschiedlicher Methodik und aus verschiedenen Hintergründen entstanden, Übungen anbieten zur Leib- und Raumwahrnehmung. Dabei gehen diese Übungen von einzelnen Menschen, seinem individuellen Verhältnis zum Raum aus, um in komplexeren Übungen auch soziale Beziehungen wie das Verhältnis von Nähe und Distanz zu thematisieren.</p>



<h1 class="wp-block-heading">Wahrnehmung ist Berührung</h1>



<p>Im Wahrnehmen nehmen wir Kontakt auf zur Welt. In jeder Sinneswahrnehmung findet eine Berührung statt, eine Begegnung des Eigenen mit dem Anderen. Am offensichtlichsten passiert dies beim Tasten, wo Selbst- und Welterfahrung unmittelbar miteinander verbunden werden. Dabei werden wir grundlegenden Oberflächenqualitäten gewahr wie Glätte, Rauhheit oder Festigkeit und versichern uns damit sowohl einer außer uns befindlichen als auch unserer eigenen Existenz. Für Juhani Pallasmaa ist diese Erfahrung des „In-der-Welt-Seins“ die grundlegende Aufgabe der Architektur<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn10"><sup>[10]</sup></a>.</p>



<p>Im Plastizieren mit Ton erfahren wir an den Grenzflächen unserer Haut unmittelbar dieses „Andere“. Wir erleben eine Steigerung zum Sehen und Zeichnen: Das Wahrgenommene widersetzt sich, ein Kräftespiel von Eindruck und Ausdruck, Weichheit und Härte beginnt. Fast beiläufig entsteht Form als Real-Bild dieser Aus- und „Ineinandersetzung“.</p>



<p>Wir verfolgen die Spur in Richtung grundlegender plastischer Phänomene wie konvex-konkax, organisch-kubisch, Innen-Aussen und wir entwickeln in freien Projekten sowohl ein Handwerkzeug als auch ein Gespür für Objektformen jeglicher Art. Als willkommener Ausgleich zum klassischen Entwurfsprozess geht dabei das Machen dem Planen voraus; das Vertrauen in die „manuelle Intelligenz“ wird gestärkt.</p>



<h1 class="wp-block-heading">Architektur als Klang</h1>



<p>Die visuelle Wahrnehmung steht uns beim Erleben von Architektur vielfach im Weg. Wir vertauschen Form mit Raum und verpassen das eigentlich Architektonische in der Wahrnehmung. Eine unmittelbare Begegnung mit Raum entsteht im Hören. Der Klang eines Raumes verrät mehr über seine Beschaffenheit, seine Proportionen und Dimensionen, seine Atmosphäre als die bloß sichtbaren Bestandteile. Im Hören erleben wir Tiefe, statt sie bloß perspektivisch verkürzt zu sehen.&nbsp;</p>



<p>„Sehen isoliert, hören hingegen nimmt auf und schließt ein; Sehen ist ein streng ausgerichteter Vorgang, Hören dagegen nimmt Reize aus allen Richtungen auf. Der Sehsinn impliziert eine Außenwelt, Töne und Geräusche schaffen dagegen eine Innenwelt. (&#8230;)</p>



<p>Hören strukturiert unser Raumverständnis und verleiht unserer Raumerfahrung eine akustische Form. (&#8230;) Sehen ist die Wahrnehmungsform des einsamen Beobachters, wohingegen Hören ein Gefühl der Verbundenheit und Zusammengehörigkeit schafft. (&#8230;) Wir berühren die Grenzen des Raumes, wenn wir ihn hören.“<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn11"><sup>[11]</sup></a></p>



<p>In Lehrveranstaltungen zu Klang und Raum hören wir zunächst den Raum und identifizieren Klänge im gebauten oder öffentlichen (Aussen-)Raum. Wir versuchen mithilfe der Klangbeschreibungsmethode von R. Murray Schafer, dem Begründer der&nbsp;<em>soundscape</em>&nbsp;Forschung<a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_edn12"><sup>[12]</sup></a>, einzelne Klangereignisse nach Parametern zu beschreiben. Wir erzeugen selbst Klänge und entdecken die Wechselwirkungen mit dem Raum. Wir entwickeln schließlich eigene Klanginstallationen, die den vorhandenen Raumeindruck erneuern, steigern, konzentrieren.</p>



<h1 class="wp-block-heading">Ganzheiten bauen</h1>



<p>Die größte Herausforderung im Architekturstudium besteht darin, reale und nicht nur simulierende Raumgestaltungserlebnisse zu haben. Als entwerfende ArchitektInnen sind wir fortwährend simulierend tätig. Wir stellen uns und anderen in den Darstellungsformen, die wir wählen (Grundrisse, Schnitte, Lagepläne, Modelle, Computersimulationen etc.) eine gebaute Zukunft vor, die noch nicht real ist. Wir versuchen, die später zu realisierende Ganzheit in ihren wesentlichen Merkmalen vorwegzugreifen und können uns dabei nur unzureichender Hilfsmittel bedienen.</p>



<p>Mit räumlich, zeitlich und thematisch begrenzten Interventionen und Rauminstallationen nähern wir uns dem Raum im realen Maßstab 1:1. Wir entwerfen im direkten Gestalten von Raum und lassen uns unmittelbar vom momentanen Ergebnis anregen, den Entwurf anzupassen. Dem anfangs beschriebenen Pendelschlag zwischen Produktion und Rezeption, Gestalten und Wahrnehmen, kommen wir im architektonischen Medium „Raum“ so am Nächsten. Wir bemühen keine intermediäre Darstellungstechnik, die bloß Verweis auf das später zu realisierende Raumkonstrukt ist, sondern arbeiten „in medias res“. Zugleich erleben wir die Komplexität der Raum- und Architekturerfahrung im eigenen Tun. Wie in einem Mobilé werden die Bestandteile der Raumgestaltung austariert und zu einer stimmigen Gesamtkomposition verdichtet. Wir versuchen so, der Unteilbarkeit von Architektur gestaltend und erlebend auf die Spur zu kommen.&nbsp;</p>



<h1 class="wp-block-heading">Mensch und Architektur</h1>



<p>Neben der experimentellen und explorativen Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung von Architektur schreiben wir in Kooperation mit dem Studium Generale, dem philosophischen und ästhetischen Bildungsangebot aller Studiengänge der Alanus Hochschule eigene wissenschaftliche Hausarbeiten zur Fragestellung. Hier werden ausgewählte Positionen zur Wahrnehmungslehre reflektiert und in Beziehung gesetzt zu den eigenen Erfahrungen im Entwerfen und Erleben von Architektur.</p>



<p>Wenn Architektur, wie Rasmussen eingangs beschreibt, etwas Unteilbares ist, dann schließt sie uns als Menschen mit ein. Sich dieser Wechselwirkungen zwischen Mensch und Architektur immer wieder wahrnehmend bewußt zu werden, ermöglicht uns so Selbst- und Welterkenntnis.&nbsp;</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref1"><sup>[1]</sup></a>&nbsp;Steen Eiler Rasmussen: ›Architektur Erlebnis‹, Stuttgart 1980; S. 9</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref2"><sup>[2]</sup></a>&nbsp;Johann W. v. Goethe: Faust.&nbsp;Eine Tragödie erster Teil, München 1993; S. 58</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref3"><sup>[3]</sup></a>&nbsp;Steen Eiler Rasmussen: ›Architektur Erlebnis‹, Stuttgart 1980; S. 9</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref4"><sup>[4]</sup></a>&nbsp;Peter Zumthor: ›Die Magie des Realen‹, in: ›Architektur Denken‹, Basel 2003; S. 83f.</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref5"><sup>[5]</sup></a>&nbsp;Rudolf Steiner: „Anthroposophie. Ein Fragment (GA 45)“, Dornach 2002 und Rudolf Steiner: „Von Seelenrätseln (GA 21), Dornach 1983</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref6"><sup>[6]</sup></a>&nbsp;Hans Jürgen Scheurle: „Die Gesamtsinnesorganisation. Überwindung der Subjekt-Objekt-Spaltung in der Sinneslehre“, Stuttgart 1984</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref7"><sup>[7]</sup></a>&nbsp;Z.B. Alexandra Abel und Bernd Rudolf: (2019) „Architektur wahrnehmen“, Bielefeld, 2019 oder Jörg Grütter, „Grundlagen der Architektur-Wahrnehmung“, Wiesbaden, 2015.</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref8"><sup>[8]</sup></a>&nbsp;Christopher Dell: ›Wissen des Urbanen‹, in: ›Auf dem Weg zur Stadt als Campus‹, Berlin 2015; S. 41.</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref9"><sup>[9]</sup></a>&nbsp;Wolfgang Meisenheimer: „Das Denken des Leibes und der architektonische Raum, Werkzeug – Denkzeug“, Köln 2014</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref10"><sup>[10]</sup></a>&nbsp;Juhani Pallasmaa: „Die Augen der Haut. Architektur und die Sinne“, Los Angeles 2013, S. 14</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref11"><sup>[11]</sup></a>&nbsp;Ebd., S. 62f.</p>



<p><a href="applewebdata://222C1F58-FC6F-4011-81DA-FE93A2BB23DD#_ednref12"><sup>[12]</sup></a>&nbsp;Raymond Murray Schafer: „Die Ordnung der Klänge: eine Kulturgeschichte des Hörens.“ Mainz, 2010</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/architektur-und-wahrnehmung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2280</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Anverwandlungen des Raumes durch Kunst</title>
		<link>https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/anverwandlung-des-raumes-durch-kunst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[wjb]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Sep 2019 15:42:59 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">http://www.willem-jan-beeren.de/?post_type=jetpack-portfolio&#038;p=2102</guid>

					<description><![CDATA[Prof. Willem-Jan Beeren, in: Mensch + Architektur, 100 / 2019, S. 122-127. Verlag Fördergesellschaft Internationales Forum Mensch + Architektur e.V. Dresden Kunst kann den Raum verwandeln und eine (neue) doppelte Sinn-Beziehung ermöglichen: Sinnhaftes vermitteln und Sinnliches erzeugen. Im besten Fall entsteht dabei Resonanz durch Begegnung und wird der Raum zum Ausdruck ästhetischer Weltbeziehung. In seinem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Prof. Willem-Jan Beeren, in: <a href="https://www.mensch-und-architektur.org/produkt/ganzheitliche-lebensraumgestaltung/">Mensch + Architektur, 100 / 2019</a>, S. 122-127. Verlag Fördergesellschaft Internationales Forum Mensch + Architektur e.V. Dresden</em></p>



<p>Kunst kann den Raum verwandeln und eine (neue) doppelte Sinn-Beziehung ermöglichen: Sinnhaftes vermitteln und Sinnliches erzeugen. Im besten Fall entsteht dabei Resonanz durch Begegnung und wird der Raum zum Ausdruck ästhetischer Weltbeziehung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="352" height="494" data-attachment-id="2770" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/anverwandlung-des-raumes-durch-kunst/mua_cover_99-100-2/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_99-100-2.jpg" data-orig-size="605,850" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="MuA_Cover_99-100-2" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_99-100-2-205x288.jpg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_99-100-2-352x494.jpg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_99-100-2-352x494.jpg" alt="" class="wp-image-2770" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_99-100-2-352x494.jpg 352w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_99-100-2-205x288.jpg 205w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/MuA_Cover_99-100-2.jpg 605w" sizes="(max-width: 352px) 100vw, 352px" /></figure>



<p>In seinem Buch „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“ beschreibt der Soziologe Hartmut Rosa Bedingungen gelingender Weltbeziehungen durch das Prinzip der Resonanz: „<em>Resonanz ist das (momenthafte) Aufscheinen, das Aufleuchten einer Verbindung zu einer Quelle starker Wertungen in einer überwiegend schweigenden und oft auch repulsiven Welt</em>. (&#8230;) Die Wirkung von Resonanz ist (&#8230;) weniger eine der unmittelbaren Bestätigung und Bekräftigung (&#8230;) als vielmehr eine der&nbsp;<em>Verwandlung</em>:&nbsp;<em>Berührung</em>&nbsp;meint immer auch eine Verflüssigung der Weltbeziehung, deren Folge es ist, dass Selbst und Welt verändert aus der Begegnung hervorgehen. Daher (&#8230;) sind Resonanzbeziehungen Ausdruck gelingender&nbsp;<em>Anverwandlung</em>&nbsp;von Welt, nicht Formen ihrer Aneignung im Sinne einer Ressourcenerweiterung.“<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn1"><sup>[i]</sup></a></p>



<p>Anverwandlung ist eine resonante Weltbeziehung, auf die ich mich einlasse, deren Ergebnis aber offen ist. Sie kann gelingen, ist aber nicht kontrolliert verfügbar. Was bei Hartmut Rosa ein in alle Lebensbereiche hineinwirkendes Prinzip ist, gilt insbesondere für die Kunst, sei es im schöpferischen Schaffen als auch im tätigen Wahrnehmen: „Was wir als Schönheit erfahren, (&#8230;) ist (&#8230;) die zum Ausdruck gebrachte Möglichkeit einer resonanten Weltbeziehung, die Möglichkeit einer Art des In-der-Welt-Seins, in der Subjekt und Welt einander antworten. Schönheit bezeichnet eine Beziehungsform.“<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn2"><sup>[ii]</sup></a></p>



<p>Ganz im Sinne dieser Anschauung formuliert der finnische Architekt und Architekturtheoretiker Juhani Pallasmaa im Hinblick auf Architektur und die Wahrnehmung von Raum: „Wie jede Kunst befasst sich Architektur im Wesentlichen mit Fragen der menschlichen Existenz im Raum und Zeit; sie drückt aus und erzählt, wie es sich mit dem menschlichen Dasein in der Welt verhält.“<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn3"><sup>[iii]</sup></a>. Während Architektur die Aufgabe hat, „uns – auch geistig – zu beherbergen und in die Welt zu integrieren“<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn4"><sup>[iv]</sup></a>&nbsp;(Pallasmaa), kann Kunst sinn-bildend sein in doppelter Weise: Neue Gedanken und Begriffe hervorrufen und durch differenzierte Sinnlichkeit differenzierte Wahrnehmungstätigkeit (aus)bilden: „Kunst kann, vielleicht als einziger Lebensbereich, aus dem individuellen Willen heraus, Welt verwandeln und gestalten zu wollen, den Menschen als tätiges Wesen impulsieren und damit Sinne und Sinn immer neu beleben.“<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn5"><sup>[v]</sup></a></p>



<p>Den im Nachfolgenden vorgestellten Projekten gemeinsam ist der Versuch, Architektur- und Stadträume mit Mitteln der (bildenden und darstellenden) Kunst zu untersuchen, ihre jeweiligen Themen zu identifizieren, verborgene Potentiale zu heben und den spezifischen Ort durch temporäre Eingriffe zum Sprechen zu bringen. In Anknüpfung an das zuvor Beschriebene zeigen die Projekte Aspekte der Anverwandlung von Raum durch Kunst: Von objekthaften Besetzungen des Raumes über dekorative Auskleidung bis hin zu ephemerer Aufladung. Da einige dieser Projekte im Rahmen von Hochschulveranstaltungen an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft durchgeführt wurden, dokumentieren sie zugleich die Absicht, neue Lehr- und Vermittlungsformate durch Reallabor-Situationen zu entwickeln und auszuprobieren.</p>



<h1 class="wp-block-heading">Raum und Objekt</h1>



<p>Mit dem Projekt „Lattenwald“ hat die interdisziplinäre Künstlergruppe beispielhaft.com (Willem-Jan Beeren, Paul Jonas Petry, Ludger Molitor) 2009 einen europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb der Hornbach AG gewonnen. Prämiert wurde der Projektvorschlag, am neuen Campus der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn aus Dachlatten einen temporären „künstlich-künstlerischen Wald“ zu gestalten. Aus über 8.000 Dachlatten und einem groben Prinzipmodell entstand in zwölf Tagen mit zwölf Bildhauern und Architekten ein organisches Wachstum, das sich wald-artig in den bestehenden Zwischenraum des Campus hineinarbeitete. Die so entstandene skulpturale Intervention schuf einen spannungsreichen Kontrast zur zurückhaltenden Strenge der Architektur auf dem Campus und drückte den „lebendigen Geist“ der Kunsthochschule sinnlich-sichtbar aus. Neben dem aufsehenerregenden Endresultat wurde im Rückblick von den Beteiligten immer wieder der Entstehungsprozess als das eigentliche Kunstwerk beschrieben: Die gemeinsam getragene Arbeitsweise im Spannungsfeld zwischen Individuum und Kollektiv, zwischen (individuell) machen und (gemeinschaftlich) beurteilen, prägte das Ergebnis, das sich in dieser einmaligen Form zuvor keiner hätte ausdenken können, maßgeblich. Der Raum der Hochschule wurde durch das Objekt belebt, das Leben der Hochschule als Räumliches sichtbar.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="741" height="494" data-attachment-id="1889" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/lattenwald/bsh_latten09/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/bsh_latten09.jpg" data-orig-size="960,640" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;10&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 20D&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1259505972&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;35&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.005&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="bsh_latten09" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/bsh_latten09-288x192.jpg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/bsh_latten09-741x494.jpg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/bsh_latten09-741x494.jpg" alt="" class="wp-image-1889" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/bsh_latten09-741x494.jpg 741w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/bsh_latten09-288x192.jpg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/bsh_latten09-768x512.jpg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/bsh_latten09.jpg 960w" sizes="(max-width: 741px) 100vw, 741px" /></figure>



<h1 class="wp-block-heading">Raum der Beziehungen</h1>



<p>Auf Einladung des Museums für Architektur und Ingenieurkunst (M:AI) in Kooperation mit der Stiftung Zollverein, dem Regionalverband Ruhr (RVR) und der Emschergenossenschaft entwickelte der Verfasser mit Florian Kluge 2014 das Projekt „NetzWerk“ am Kammgebäude auf dem Gelände des UNESCO-Weltkulturerbes Zeche Zollverein. Anlass war die Ausstellung „Produktive StadtLandschaften“, die sich dem Emscher Landschaftspark, dem international anerkannten Landschaftsprojekt zum Umbau einer alten Industrieregion, widmete. Der Emscher Landschaftspark ist kein Park im traditionellen Sinn, er ist vielmehr als Baustein der Stadt- und Regionalplanung zu einem verbindenden Element, einem „NetzWerk“ geworden und verleiht dem Ruhrgebiet eine neue Identität.&nbsp;</p>



<p>Das Ausstellungsprogramm wurde um eine temporäre Intervention ergänzt, die den Emscher Landschaftspark und die Besonderheit des Ortes Zollverein aufgriff, Aufmerksamkeit für das neu erschlossene Kammgebäude und die Ausstellung weckte und das Ausstellungsthema im Außenbereich des Gebäudes künstlerisch interpretierte. Über 50km Kilometer Schnur wurden vor dem Kammgebäude zu einer großformatigen Netz-Landschaft verwoben, die den Raum neu definierte. Das Raumgeflecht schließt an die zentrale Rolle des Emscher-Landschaftsparks an, der in der Ausstellung thematisiert wurde: Der Freiraum ist es, der die Städte des Ruhrgebiets in unterschiedlichster Ausprägung miteinander verbindet, verwebt und vernetzt. Als Baumaterial wurde weiße Gärtnerflechtleine gewählt, die ohne kompliziertes Werkzeug eine Installation mit räumlich prägnanter Wirkung ermöglichte. Farbe, Haptik und Optik des filigranen Materials kontrastierten angenehm mit dem Ambiente des Zollverein-Ensembles. Ausstellung und Installation waren zudem Teil des Erlebnisprogramms Emscher Landschaftspark, das in Trägerschaft des Regionalverbandes Ruhr viele Touren, Führungen und inszenierte Picknicks zur Erkundung des Parks anbot.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="743" height="494" data-attachment-id="1819" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/netzwerk_02/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/netzwerk_02.jpg" data-orig-size="963,640" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;willem-jan beeren&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix X100&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1399999481&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;(c) wjb&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;23&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0016666666666667&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="netzwerk_02" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/netzwerk_02-288x191.jpg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/netzwerk_02-743x494.jpg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/netzwerk_02-743x494.jpg" alt="" class="wp-image-1819" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/netzwerk_02-743x494.jpg 743w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/netzwerk_02-288x191.jpg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/netzwerk_02-768x510.jpg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/netzwerk_02.jpg 963w" sizes="auto, (max-width: 743px) 100vw, 743px" /></figure>



<h1 class="wp-block-heading">Innen und Aussen</h1>



<p>Jedes Jahr vor Ostern öffnet die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft ihre Ateliers und Werkstätten zu den Tagen der offenen Tür. Zentrum und Keimzelle der Hochschule seit ihrer Gründung 1973 ist der Johannishof in Alfter, ein über die Jahrzehnte in sehr viel Eigenleistung um- und angebauter Vierkanthof mit langer Historie. Die Künstlergruppe beispielhaft.com hat über viele Jahren zu diesem Anlass den Innenhof künstlerisch bespielt und den Raum jedes Mal mit einem neuen Material, einer neuen Technik und einer neuen Haltung verwandelt. Eine der größten sichtbaren Veränderungen erfuhr der Raum 2014, als er bis unter die Traufkanten der inneren Dachflächen mit goldenen Rettungsfolien ausgelegt wurde. Über zwei Tage konnte man mitverfolgen, wie sich nach und nach der vertraute Raum in ein goldenes Kleid hüllte, architektonische Details unter einer Schicht aus sanft geschwungenen Folien verschwanden und sich eine knisternde Klangkulisse aufbaute. Durch die Sonne noch verstärkt betrat man nach Fertigstellung eine phantastisch-surreale Gold-Landschaft, die einen warm umhüllte. Die goldene Farbe vermittelte eine edle und kostbare Stimmung, die sich auf das Verhalten der Menschen in diesem Raum unmittelbar auswirkte. Eine Andächtigkeit und Erhabenheit entstand, wo im Alltag reges Treiben, Begegnung, Gespräch und Durchgangsverkehr herrscht.</p>



<p>Zum Abschluss des Projektes wurden alle Folien nach und nach wieder entfernt und zu einer immer größer werdenden Kugel komprimiert. Dabei vollzog sich eine vollständige Umstülpung vom Raum (Weite) zur Kugel (Punkt) und Umkehrung der Farblichkeit, da nun mit der silbernen Rückseite der Folie das alltägliche Grau-Weiß der Wände und des Bodens wiederhergestellt wurde.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="741" height="494" data-attachment-id="1944" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/international-gold/internationalgold_08/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/internationalgold_08.jpg" data-orig-size="960,640" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;22&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;willem-jan beeren&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D90&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1396788021&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;(c) wjb&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;10&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;640&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.02&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="internationalgold_08" data-image-description="&lt;p&gt;international gold&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;international gold&lt;/p&gt;
" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/internationalgold_08-288x192.jpg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/internationalgold_08-741x494.jpg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/internationalgold_08-741x494.jpg" alt="" class="wp-image-1944" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/internationalgold_08-741x494.jpg 741w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/internationalgold_08-288x192.jpg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/internationalgold_08-768x512.jpg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/internationalgold_08.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 741px) 100vw, 741px" /></figure>



<h1 class="wp-block-heading">Naturraum und Kulturraum</h1>



<p>Die „Magie des Realen“ (Zumthor 2006<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn6"><sup>[vi]</sup></a>) liegt manchmal verborgen, manchmal offensichtlich vor und bedarf nur minimaler Aktivierung, um sie in die Erlebbarkeit zu holen. Natur- und Freiräume haben von jeher besondere atmosphärische Qualitäten, die durch künstlerische Eingriffe weiter gesteigert, akzentuiert oder kontrastiert werden können. Die Land-Art sucht seit ihren Anfängen in den 1960er Jahren nach Ausdrucksformen in, mit und durch Landschaft.&nbsp;</p>



<p>In mehreren Projekten mit Studierenden sind sowohl in „grünen“ als auch in „weißen“ (Schnee-) Freiräumen Projekte entstanden, die an die Tradition der Land-Art anschließen. Im Waldlabor Köln forscht die Stadtförsterei zusammen mit Wissenschaftlern am Thema „urbaner Wald“. Dabei geht es neben der Langzeitbeobachtung klimaresistenterer Holzarten für den europäischen Wald, einer ressourcenorientierten Waldbewirtschaftung auch um das Experimentieren mit einer neuen Waldästhetik durch bisher unübliche Kombinationen bekannter Holzarten. Um diese Arbeit Laien und Besuchern zugänglicher zu machen, lädt der Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen Studierende der Architektur und Landschaftsarchitektur verschiedener Hochschulen (zwei)jährlich zur Waldwerkstatt ein, um das Waldlabor temporär zu bespielen. Die dabei entstehenden künstlerischen Eingriffe überhöhen den landschaftsarchitektonisch angelegten Raum an ausgewählten Stellen, verdichten seine Erlebnis- und Aufenthaltsqualität und kommunizieren einen spielerisch-ernsten Umgang mit dem uns umgebenden Freiraum. Die übliche, eher halbbewußte Naturwahrnehmung bekommt einen Gegen-Stand, der sich dem Betrachter entgegenstellt und zur Aufmerksamkeit anregt.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="494" data-attachment-id="2774" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/anverwandlung-des-raumes-durch-kunst/waldlabor2016_01/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/waldlabor2016_01.jpg" data-orig-size="1400,930" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;10&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;willem-jan beeren&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix X100&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1463834652&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;(c) wjb&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;19&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0015625&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="waldlabor2016_01" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/waldlabor2016_01-288x191.jpg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/waldlabor2016_01-744x494.jpg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/waldlabor2016_01-744x494.jpg" alt="" class="wp-image-2774" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/waldlabor2016_01-744x494.jpg 744w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/waldlabor2016_01-288x191.jpg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/waldlabor2016_01-768x510.jpg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/waldlabor2016_01.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /></figure>



<h1 class="wp-block-heading">Raum als Prozess</h1>



<p>Künstlerische Interventionen sind nicht nur geeignet, Eigenschaften des Raumes erlebbar zu machen, sondern auch eine ästhetische Brücke zu den Vorgängen herzustellen, die im Raum stattfinden. Im Temporären und Vorübergehenden steckt das Potential des Performativen.&nbsp;</p>



<p>Für den Neubau der Rosa-Luxemburg-Stiftung am Berliner Ostbahnhof hat der Verfasser mit Paul Jonas Petry eine künstlerische Strategie entwickelt, die die Architektur mit der Identität der weltweiten Stiftungsarbeit sinnlich erleb- und begreifbar macht. Alle Türen des Neubaus werden nach der Eröffnung Mitte 2020 nach und nach mit Klinken ausgestattet, die über eine mehrjährige partizipative weltweite Sammel- und Tauschaktion Orte, Institutionen und Themen miteinander vernetzt und in der Berliner Zentrale versammelt. Der Eindruck einer international, auf Solidarität und Gemeinschaft ausgerichteten Stiftungsarbeit findet seinen ästhetischen Ausdruck in einer Fülle unterschiedlicher Architekturobjekte des täglichen Gebrauchs. Im Real-Bild der Klinke öffnet sich jeweils die Tür in einen (thematischen) Raum der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Zugleich eröffnet das Projekt eine Form der Partizipation der Mitarbeitenden mit der Hoffnung, ihre jeweilige Anverwandlung mit dem Neubau positiv und konkret begleiten zu können.&nbsp;</p>



<p>Diese Art von ästhetischer Begleitung stellt eine besondere Form der künstlerischen Intervention dar, die es nicht primär auf die Autonomie des Kunstwerks abgesehen hat, sondern eher als sinnliche Verdichtung eines sozialen Prozesses verstanden werden will.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="741" height="494" data-attachment-id="2266" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/klinkentausch/004_bibliothek-mst-sao-paolo-bra/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA-scaled.jpg" data-orig-size="2560,1707" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;16&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;Willem-Jan Beeren&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;X-Pro2&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Bibliothek MST Sao Paolo (BRA)&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1591619212&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;(c) Willem-Jan Beeren&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;35&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;800&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.016666666666667&quot;,&quot;title&quot;:&quot;004&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA-288x192.jpg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA-741x494.jpg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA-741x494.jpg" alt="" class="wp-image-2266" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA-741x494.jpg 741w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA-288x192.jpg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA-768x512.jpg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA-1536x1024.jpg 1536w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/004_Bibliothek-MST-Sao-Paolo-BRA-2048x1366.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 741px) 100vw, 741px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bibliothek MST Sao Paolo (BRA)</figcaption></figure>



<h1 class="wp-block-heading">Den Raum hören</h1>



<p>Architektur, wie vieles in unserer visuell geprägten Kultur, wird insbesondere über das Sehen kommuniziert und rezipiert, nicht zuletzt dank digitaler Visualisierungspraktiken. Dabei gehen elementare Raumerlebnisse, die die Architektur von einem bloßen Bild unterscheiden, verloren und verflachen damit auch die Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt auf das „Image“ (Pallasmaa 2013<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn7"><sup>[vii]</sup></a>). Gerade die Architektur ist ein komplexes, mehr-dimensionales und multisensorisches Phänomen, das eine differenzierte leibliche, seelische und geistige Wahrnehmung voraussetzt (Schneider 1995<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn8"><sup>[viii]</sup></a>). Dabei kommt dem „peripheren“ (Pallasmaa 2013<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn9"><sup>[ix]</sup></a>) und „dynamischen“ Wahrnehmen (Arnheim 1980<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn10"><sup>[x]</sup></a>) eine Schlüsselrolle zu. In der synästhetischen und sukzessiven (d.h. prozessualen) Wahrnehmung entsteht das architektonische Erlebnis des Raumes als das „Hier-Zwischen“.</p>



<p>Auch hier kann Kunst eine Brücke sein. Auf unmittelbare, aber un-sehbare Weise wird das Raumerlebnis evident durch das Hören. Es ist nach Gernot Böhme der akustische Raum, der „durch die Weite des leiblichen Spürens aufgespannt wird. (&#8230;) Hören ist ein Außer-sich-Sein, es kann gerade deshalb das beglückende Erlebnis sein zu spüren, daß man überhaupt in der Welt ist.“<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn11"><sup>[xi]</sup></a>&nbsp;Zwischen bildender und darstellender Kunst hat sich spätestens mit den italienischen Futuristen um Luigi Russolo<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn12"><sup>[xii]</sup></a>&nbsp;mit der Klangkunst eine eigene intermediäre Kunstdisziplin zwischen konzertant (linear) aufgeführter Musik und ortsbezogener bildnerischer Installation etabliert. Klangkunst kann den Raum und Das-im-Raum-Sein erlebbar machen, diesen aber auch verändern.&nbsp;</p>



<p>Mit dem Projekt „bonn hoeren“ beruft die Beethovenstiftung Bonn seit 2010 jährlich einen Stadtklangkünstler. Mehrfach konnte auf diese Weise eine Zusammenarbeit zwischen international renommierten Klangkünstlern und Architekturstudierenden ermöglicht werden. Dabei sind diverse temporäre Klanginstallationen im Bonner Stadtgebiet entstanden, die jede auf ihre Weise einen neuen Zugang zum Raum ermöglichten: Beispielsweise wurden über mehrere Wochen der Ein- und Ausgangspavillon der U-Bahnhaltestelle Universität/Markt mit einer Komposition aus Heilklängen (bestimmter Frequenzen) bespielt, die die futuristische Architektur der Haltestelle zum Schweben und die eiligen Durchreisenden für einen Moment zur Ruhe kommen ließen. Der Friedensplatz wurde mit in Gullyschächten installierten und mit Computerlüftern betriebenen Orgelpfeifen (der Fa. Klais Bonn) klanglich aufgeladen und in einer weiteren Installation vermischten sich selbst komponierte Saxophonstücke mit monotonen Lüftungsgeräuschen der IT-Abluftanlage der Universität Bonn: So entstand aus einem technischen ein musikalischer Sound, aus einer funktionellen Zwangsläufigkeit eine künstlerische Möglichkeit.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="658" height="494" data-attachment-id="1861" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/lueftophon/lueftophon_02/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/lueftophon_02.jpg" data-orig-size="853,640" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;2.4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;Willem-Jan Beeren&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;iPhone 4S&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1350897205&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;Willem-Jan Beeren&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.28&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;250&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.05&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="lueftophon_02" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;lueftophon 2012 (C) Willem-Jan Beeren&lt;/p&gt;
" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/lueftophon_02-288x216.jpg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/lueftophon_02-658x494.jpg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/lueftophon_02-658x494.jpg" alt="" class="wp-image-1861" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/lueftophon_02-658x494.jpg 658w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/lueftophon_02-288x216.jpg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/lueftophon_02-768x576.jpg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/lueftophon_02.jpg 853w" sizes="auto, (max-width: 658px) 100vw, 658px" /><figcaption class="wp-element-caption">lueftophon 2012 (C) Willem-Jan Beeren</figcaption></figure>



<p>Diese und viele andere Beispiele zeigen: Kunst kann den Raum verwandeln und eine Einladung aussprechen, sich selbst vom Raum verwandeln zu lassen. Die temporäre künstlerische Intervention verzichtet dabei auf eine vollumfängliche und dauerhafte Realisierung eines Idealzustandes, stattdessen geht es darum, ein „sinnliches Erleben der Möglichkeit zu ermöglichen. (&#8230;) Die Utopie wird pragmatisch und der Pragmatismus utopisch (&#8230;) um für einen Moment im Hier und Jetzt die Möglichkeit Wirklichkeit werden zu lassen.“<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn13"><sup>[xiii]</sup></a></p>



<p>Denn „der Raum ist nicht. Er wird.“<a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_edn14"><sup>[xiv]</sup></a></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref1"><sup>[i]</sup></a>&nbsp;Hartmut Rosa: „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“, Berlin 2016, S. 317f.&nbsp;&nbsp;Hervorhebungen aus dem Original übernommen.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref2"><sup>[ii]</sup></a>&nbsp;Ebd., S. 482.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref3"><sup>[iii]</sup></a>&nbsp;Juhani Pallasmaa: „Die Augen der Haut. Architektur und die Sinne“, Los Angeles 2013, S. 21.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref4"><sup>[iv]</sup></a>&nbsp;Ebd., S. 14.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref5"><sup>[v]</sup></a>&nbsp;Dietrich Esterl: Einleitung, in: Bernhard Hanel, Robin Wagner (Hrsg.): „Spannungsfeld Kunst. Sinnhorizonte und Gestaltungsziele heute“, Stuttgart, Berlin 1997, S. 11.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref6"><sup>[vi]</sup></a>&nbsp;Peter Zumthor: Die Magie des Realen, in: Peter Zumthor, „Architektur denken“, Basel 2006, S. 83f.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref7"><sup>[vii]</sup></a>&nbsp;Juhani Pallasmaa: „Die Augen der Haut. Architektur und die Sinne“, Los Angeles 2013, S. 38.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref8"><sup>[viii]</sup></a>&nbsp;Wulf Schneider: „Sinn und Unsinn. Architektur und Design sinnlich erlebbar gestalten.“, Leinfelden-Echterdingen 1995</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref9"><sup>[ix]</sup></a>&nbsp;Juhani Pallasmaa: „Die Augen der Haut. Architektur und die Sinne“, Los Angeles 2013, S. 16f.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref10"><sup>[x]</sup></a>&nbsp;Rudolf Arnheim: „Die Dynamik der architektonischen Form“, Köln, 1980</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref11"><sup>[xi]</sup></a>&nbsp;Gernot Böhme: „Architektur und Atmosphäre“, München 2006, S. 82.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref12"><sup>[xii]</sup></a>&nbsp;Luigi Russolo: „L&#8217;arte dei rumori&nbsp;(Die Kunst der Geräusche)“, New York 1967</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref13"><sup>[xiii]</sup></a>&nbsp;Friedrich von Borries: „Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie“, Berlin 2016, S. 89.</p>



<p><a href="applewebdata://C1C87FF0-EAE4-4F5D-884D-0F474164A007#_ednref14"><sup>[xiv]</sup></a>&nbsp;Klaus Selle: Der Raum lebt, in: „Raum auf Zeit. Temporäre Interventionen im öffentlichen Raum.“ Band 1 2013; S. 7.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2102</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Lernen von der Natur?</title>
		<link>https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/veroeffentlichung-akademiereihe-deutscher-werkbund-nrw/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[wjb]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Aug 2013 10:45:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Veröffentlichung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.willem-jan-beeren.de/?p=896</guid>

					<description><![CDATA[Lernen von der Natur?Prof. Dipl.-Ing. Willem-Jan Beeren akademiereihe Nr. 14, 2013zu beziehen über den Deutschen Werkbund NRW 1Wollen wir über Zusammenhänge von Natur und Architektur sprechen, so geschieht dies vor dem Hintergrund der Tatsache, daß wir von beidem umgeben sind in einer Art, der wir uns nicht entziehen können: Sowohl die „gewachsene“ Natur als auch Architektur [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Lernen von der Natur?</strong><br>Prof. Dipl.-Ing. Willem-Jan Beeren</p>



<p>akademiereihe Nr. 14, 2013<br>zu beziehen über den <a rel="noreferrer noopener" href="http://www.deutscherwerkbund-nw.de/index.php?id=150" target="_blank">Deutschen Werkbund NRW</a></p>



<p>1<br>Wollen wir über Zusammenhänge von Natur und Architektur sprechen, so geschieht dies vor dem Hintergrund der Tatsache, daß wir von beidem umgeben sind in einer Art, der wir uns nicht entziehen können: Sowohl die „gewachsene“ Natur als auch Architektur bzw. Kultur als „gebaute Natur“ bilden für uns die Umgebung und Referenzebene des Denkens, Handelns und Fühlens. Man kann die Kulturentwicklung der Menschheit als Ausdruck verstehen, sich von der einen Umgebung, der natürlichen, schrittweise zu emanzipieren und sich vor ihren unwirtlichen Verhältnissen, vor ihren z.T. lebensbedrohlichen Zuständen zu schützen. Zu diesem Zwecke haben Menschen von Anbeginn human-adäquate Umgebungen geschaffen, die immer weiter verfeinert, orts- und gruppenspezifisch konnotiert und bis in das Kultische hinein gesteigert wurden. Auch in persönlich-biografischer Weise vollzieht sich dieser Emanzipationsprozess als Herauslösung von natürlichen Bindungen: Zunächst leiblich von der Mutter, später mikrosoziologisch vom Elternhaus, zum Teil auch auf moralischer Ebene von familiären oder gesellschaftlichen Traditionen und Werten. Demgegenüber steht der zunehmende Aufbau eigener Wertevorstellungen, eigener &nbsp;Kontexte und Bindungen, die wiederum zur prägenden Umgebung einer kommenden Generation werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="496" height="494" data-attachment-id="2860" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/veroeffentlichung-akademiereihe-deutscher-werkbund-nrw/01_umgebungen/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-scaled.jpeg" data-orig-size="2560,2549" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1350989689&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="01_Umgebungen" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-288x288.jpeg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-496x494.jpeg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-496x494.jpeg" alt="" class="wp-image-2860" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-496x494.jpeg 496w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-288x288.jpeg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-145x145.jpeg 145w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-768x765.jpeg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-1536x1530.jpeg 1536w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-2048x2039.jpeg 2048w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/01_Umgebungen-50x50.jpeg 50w" sizes="auto, (max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption class="wp-element-caption">Aus: Wulf Schneider, Sinn und Un-Sinn</figcaption></figure>



<p>Was sich im Architektonischen funktional deutlich absetzt von der natürlichen Umgebung (Schutz, Behausung, gleichmässige Temperierung), folgt formal-ästhetisch trotzdem oft denselben natürlichen Prinzipien nach Material, Fügungsart, Proportion, Gestik: „Die Harmonie des lebenden Körpers entsteht durch das Gleichgewicht bewegter Massen. Die Kathedrale ist im Ebenbilde lebender Körper erbaut. Ihre Proportionen, ihre Gleichgewichtsbeziehungen entsprechen genau der Ordnung in der Natur, entspringen allgemeinen Gesetzen. Die großen Meister, die diese Wunder der Baukunst errichtet haben, beherrschten die gesamte Wissenschaft und verstanden sie zu nutzen, da sie, aus den natürlichen, ursprünglichen Kräften geschöpft, in ihnen lebendig geblieben war.“<a href="#_edn1">[1]</a> (Auguste Rodin, 1921)</p>



<p>2<br>Wie erscheint uns eine natürliche Umgebung, zum Beispiel ein Waldstück nach einem Spätsommerregen? Zunächst und in einem ursprünglichen Sinn erscheint uns diese Umgebung als Ganzheit, die alle Sinne anspricht, also multisensorisch angelegt ist. Versucht man, nach und nach die Ebenen des Erscheinens voneinander zu trennen, fällt einem erst die Komplexität und Vielschichtigkeit der Natur auf, die im ersten Augenblick so unscheinbar und selbstverständlich auftritt: Eine Farbigkeit zwischen warm und kalt und hell und dunkel; eine Formenvielfalt zwischen spitz und rund und offen und geschlossen; auditive Qualitäten zwischen hoch und tief, schrill und dumpf; Oberflächenbeschaffenheiten zwischen weich und hart und trocken und nass, olfaktorische Elemente zwischen modrig und würzig und süßlich und säuerlich usw. Der menschliche Leib ist in der Weise konstituiert, daß ihm durch die Sinne diese unterschiedlichen Informationen zufließen, sich in seinem Erleben und Erkennen zusammenfügen zu einem ganzheitlichen Bild. Dabei scheint nicht nur ein passives Aufnehmen im Sinne eines Reiz-Reaktions-Schemas statt zu finden, sondern ein Wechselspiel von Subjekt und Objekt: „Statt der statischen Dualität lebt im Wahrnehmen eine dynamische Polarität. In der Wahrnehmung liegt ein funktionelles Wechselspiel zwischen Ich und Sinneswelt; gleichsam als Frage und Antwort, wobei Selbsterleben und Welterleben immer wieder die Plätze tauschen.“ (Hans-Jürgen Scheuerle 1984)<a href="#_edn2">[2]</a></p>



<p>„Am Wirklichwerden der Umwelt ist unsere aktiv gestaltende Sinneswahrnehmung ebenso beteiligt wie die Umwelt, die umgekehrt unsere Sinnesempfindung wirksam und wirklich macht. Subjekt und Objekt stehen einander nicht gespalten gegenüber, sondern im Verhältnis eines Wirkungsganzen zueinander.“ (Wulf Schneider 1995)<a href="#_edn3">[3]</a></p>



<p>Das, wofür man keinen Sinn hat, bleibt ‚sinnlos’. Der Sinn ist dabei nicht nur das physische Organ, sondern auch das Verständnis des Zusammenhangs der durch den Sinn erfassten Einzelerscheinungen. Im Wahrnehmen wird das Sinnenfällige durch die Sinnentätigkeit hervorgebracht und nachgeahmt.</p>



<p>3<br>Die oben beschriebene Komplexität der Natur bietet vielfältige Anregungen für die Architektur. Z.B. begegnen wir in der Natur dem Phänomen der Adaptivität, also der Eigenschaft von Organismen und Lebewesen, sich individuell auf spezifische Umweltbedingungen einzustellen. Adaptivität ist ein Forschungsschwerpunkt des Institutes für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Werner Sobek. Hier werden z.B. interaktive Gebäudehüllen entwickelt, die Grade von Transparenz und Tranzluzenz in Abhängigkeit von Umgebungsparameter selbständig einstellen können.</p>



<p>Die „interactive Wall“ aus dem „Bionic Learning Network“ der Firma Festo AG reagiert auf Bewegungen von Menschen oder kann nach einem festgelegten Parameter Vor- und Rückbewegungen vollziehen. Die Grenzen von statischer Architektur, der Immobilie, verschwimmen zugunsten eines umwelt-offenen reaktiven Systems.</p>



<p>Im Bereich der Materialforschung, die auch zunehmend Eingang findet in die Architektur (z.B. der sogenannte Lotus-Effekt) besteht ein großes Interesse, natürliche Prozesse und „Bauprinzipien“ auf Technik und Konstruktion zu übertragen. Die „Bionik“ als mittlerweile etablierte Disziplin verknüpft dabei Erkenntnisse der Biologie mit technischen und ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Unter dem Stichwort „smart materials“ werden Stoff- und Materialinnovationen subsummiert, die z.B. der Innovationsberater und Materialspezialist Dr. Sascha Peters&nbsp; in seinem Buch „material revolution“ beschreibt: „Das überraschendste Material aus dem Buch ist für mich ein Hartschaumstoff als Alternative für Styropor im Verpackungsbereich, der aus Pilzen gebildet wird. Die Basis bilden hier die Schalen von Reis oder Weizen, organischer Abfall also, der durch fadenförmige Myzelpilzkulturen zu einem Schaumgebilde wächst. Ich hoffe, dass wir in Zukunft weitere organische Wachstumsprozesse auf die industrielle Produktion übertragen können. “ <a href="#_edn4">[4]</a> (Sascha Peters 2010).</p>



<p>4<br>Der oben zitierte Wunsch, Wachstumsprozesse direkt in (bau-)technische Produktion übertragen zu können, induziert die grundsätzliche Frage nach dem Verhältnis von „lebendiger“ Natur und „lebendiger“ Architektur. Denn auch wenn Versuche, Architektur organisch wachsen zu lassen, immer wieder Gegenstand von gedachten und realisierten Projekten war (vergl. z.B. Arthur Wiechula 1925 <a href="#_edn5">[5]</a> oder das EXPO-Projekt „Aus Hecken werden Häusern, Bonn 2000 <a href="#_edn6">[6]</a>), bleibt die Architektur normalerweise gegenüber der lebendig-wachsenden Natur eine „Immobilie“, also eine starre Fügung ruhender Stoffe. Wie kann aber die Qualität des Lebendigen, wie wir es in der Natur z.B. in der Betrachtung des Wassers mitvollziehen können, übertragen werden auf eine lebendige Formensprache der Architektur? Der Naturwissenschaftler und Wasserforscher Theodor Schwenk hat in den 60er Jahren in seiner beachtlichen Grundlagenarbeit „Das sensible Chaos“ auf grundlegende Bewegungsphänomene des Wassers hingewiesen und gleichzeitig Bezüge zur Gestalt- und Musterbildung im Tier- und Pflanzenreich sowie im menschlichen Körper hergestellt.&nbsp; Er vertritt die These, daß den Gestaltbildungen der Natur Prozesse zugrunde liegen, die exemplarisch in den Umstülpungs- und Bewegungstendenzen des Wassers (und der Luft) nachvollzogen werden können. So bestätigt z.B. die Embryologieforschung in der Entwicklung des Herzorgans typische Verwirbelungs- und Strömungsprinzipien, wie sie in der allgemeinen Strömungswissenschaft entdeckt wurden.<a href="#_edn7">[7]</a>&nbsp; Hugo Kükelhaus macht in diesem Zusammenhang immer wieder aufmerksam auf das Verhältnis von Gestaltbildungsprozess und Organprozess: „Kein Organ des sich aufbauenden Organismus entsteht zum Zwecke einer später zu erfüllenden Funktion. Organe entstehen nicht für, sondern durch und als (jeweils „umweltlich“ erzwungene und antwortende) Funktion.“<a href="#_edn8">[8]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="266" height="494" data-attachment-id="2861" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/veroeffentlichung-akademiereihe-deutscher-werkbund-nrw/02_schwenk/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/02_Schwenk.jpeg" data-orig-size="756,1404" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1310555188&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="02_Schwenk" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/02_Schwenk-155x288.jpeg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/02_Schwenk-266x494.jpeg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/02_Schwenk-266x494.jpeg" alt="" class="wp-image-2861" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/02_Schwenk-266x494.jpeg 266w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/02_Schwenk-155x288.jpeg 155w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/02_Schwenk.jpeg 756w" sizes="auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine Wirbelstrasse, die sich bildet, wenn man einen festen Gegenstand geradlinig durch ruhende Flüssigkeit zieht. Aus: Theodor Schwenk, das sensible Chaos</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="785" height="393" data-attachment-id="2862" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/veroeffentlichung-akademiereihe-deutscher-werkbund-nrw/03_herz/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/03_Herz-scaled.jpeg" data-orig-size="2560,1282" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1350989633&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="03_Herz" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/03_Herz-288x144.jpeg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/03_Herz-785x393.jpeg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/03_Herz-785x393.jpeg" alt="" class="wp-image-2862" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/03_Herz-785x393.jpeg 785w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/03_Herz-288x144.jpeg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/03_Herz-768x384.jpeg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/03_Herz-1536x769.jpeg 1536w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/03_Herz-2048x1025.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 785px) 100vw, 785px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schleifenbildung des embryonalen Herzschlauches. Aus: Johannes W. Rohen: Morphologie des menschlichen Organismus 2007</figcaption></figure>



<p>Für die Architektur ergibt sich daraus eine bestimmte Art der Entwurfshaltung, die z.B. bei becker architekten aus Kempten bei der Entwicklung des Wasserkraftwerks in der Iller zur Feststellung führt, daß &#8222;&#8230;am Computer (&#8230;) die Gestalt nicht entwickelt werden (kann), da verliert man sich im Klein-Klein. Vom Modell wurden die Maße abgenommen, damit ein 3D-Modell mit Spezialprogramm und besonderem Know-how gerechnet. Immer wieder Rückkopplungen mit den beteiligten Ingenieuren, Korrekturen, Verbesserungen. <em>Entscheidend aber war: Man versuchte, sich in die Welle hineinzudenken, wie sie einläuft, aufrollt, sich aufwirft, abgelenkt wird, wirbelt, strudelt, schäumt, sich auslöst, entspannt im Fluss aufgeht.</em>&#8220; <a href="#_edn9">[9]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="392" height="494" data-attachment-id="2864" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/veroeffentlichung-akademiereihe-deutscher-werkbund-nrw/04_kraftwerk/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-scaled.jpeg" data-orig-size="2029,2560" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1350989705&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="04_Kraftwerk" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-228x288.jpeg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-392x494.jpeg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-392x494.jpeg" alt="" class="wp-image-2864" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-392x494.jpeg 392w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-228x288.jpeg 228w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-768x969.jpeg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-1217x1536.jpeg 1217w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-1623x2048.jpeg 1623w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/04_Kraftwerk-scaled.jpeg 2029w" sizes="auto, (max-width: 392px) 100vw, 392px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wasserkraftwerk in der Iller. Architektur: becker architekten kempten. Foto: Brigida Gonzalés</figcaption></figure>



<p>Ein interessantes Projekt in bezug auf den Zusammenhang von Entstehungsprozess, Gestaltbildung und Funktion bildet auch die Bruder-Klaus-Kapelle Wachendorf von Peter Zumtor. Denn sie widerspiegelt in ihrer inneren Hohlform nicht nur den Herstellungsprozess, sondern bildet im übertragenen Sinn das asketische Leben des ihm gewidmeten Hl. Nikolaus v. d. Flühe (Bruder Klaus) ab: Für die Schalung der Stampfbetonwände wurden 112 Fichtenstämme zu einer zeltartigen Konstruktion zusammengestellt und anschließend über 3 Wochen in einem sog. Mottfeuer getrocknet und ausgebrannt, damit sie entfernt und der einzigartige Raum freigegeben werden konnte. Der Schweizer Einsiedler, Asket und Mystiker Nikolaus v. d. Flühe (1417-1487) beschreibt in seinen Meditationen seinen „inneren Reinigungsweg“: „Mein Herr und mein Gott / nimm alles mir / was mich hindert zu dir&#8230;“ <a href="#_edn10">[10]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="328" height="494" data-attachment-id="2863" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/veroeffentlichung-akademiereihe-deutscher-werkbund-nrw/05_klauskapelle/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-scaled.jpeg" data-orig-size="1702,2560" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;16&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D50&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1190290174&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;30&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;800&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.5&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="05_Klauskapelle" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-191x288.jpeg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-328x494.jpeg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-328x494.jpeg" alt="" class="wp-image-2863" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-328x494.jpeg 328w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-191x288.jpeg 191w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-768x1155.jpeg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-1021x1536.jpeg 1021w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-1362x2048.jpeg 1362w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/05_Klauskapelle-scaled.jpeg 1702w" sizes="auto, (max-width: 328px) 100vw, 328px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bruder-Klaus-Kapelle Wachendorf. Architektur: Peter Zumthor. Foto: Verfasser</figcaption></figure>



<p>5<br>Analogien zwischen und Übertragungen von Natur und Architektur finden nicht nur auf der stofflich-materiellen oder prozessual-funktionellen Ebene, sondern vielfach auch auf der formal-gestalthaften Ebene statt. Neben manchem Trivialbau (Erdbeer-Verkaufsstand in Form einer überdimensionierten Erdbeere) stehen ingenieurtechnisch hoch anspruchsvolle Bauten wie die von Santiago Calatrava in direkter Verbindung zu zoomorphen oder anthropomorphen Konstellationen. Die Innenräume von Imre Makovecz erinnern an übergroße Brustkörbe, die Großformen von Future Systems an Schmetterlinge oder riesige Facettenaugen, in den Dachgestaltungen von Antoni Gaudí erkennen wir gepanzerte Drachenrücken. Eine bloße Nachahmung der Naturform allerdings ohne Herleitung aus oder in Bezug zu Funktion, Material oder Konstruktion wird leicht als hohle Geste entlarvt. Nicht umsonst mahnt Frei Otto, die Natur sei kein Lieferant für geistlose Erfinder.<a href="#_edn11">[11]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="494" data-attachment-id="2865" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/veroeffentlichung-akademiereihe-deutscher-werkbund-nrw/06_erdbeere/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/06_Erdbeere.jpeg" data-orig-size="1024,680" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;7.1&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;willem-jan beeren&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix X100&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1338362449&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;(c) wjb&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;23&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0020833333333333&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="06_Erdbeere" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/06_Erdbeere-288x191.jpeg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/06_Erdbeere-744x494.jpeg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/06_Erdbeere-744x494.jpeg" alt="" class="wp-image-2865" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/06_Erdbeere-744x494.jpeg 744w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/06_Erdbeere-288x191.jpeg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/06_Erdbeere-768x510.jpeg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/06_Erdbeere.jpeg 1024w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Erdbeer-Verkaufsstand. Architektur: unbekannt. Foto: Verfasser</figcaption></figure>



<p>Der Wunsch, Naturformen in Gestaltung einfliessen zu lassen, geht oft einher mit der Notwendigkeit, diese Formen bzw. die ihnen zugrundliegenden „idealisierten“ Prinzipien geometrisch oder mathematisch zu erfassen. Z.B. können Blattformen unterschiedlicher Baumarten in einem gleichen Polarkoordinatensystem mit Spiralraster beschrieben oder die Abfolge menschlicher Fingerknochen als Fibonaccireihe dargestellt werden.<a href="#_edn12">[12]</a> Im Zuge heutiger Parametrisierung können auch Entwurfsprojekte ganz aus geometrisch-mathematischen Zusammenhängen errechnet und entwickelt werden. Damit entstehen Projekte, die eine Ähnlichkeit mit natürlichen Formen aufweisen, ohne daß sie direkt kopiert oder abgebildet wurden, sondern aufgrund ähnlicher Parameter und Prinzipien. Goethe beschrieb einst im Zusammenhang mit seiner Entdeckung der „Urpflanze“, er sei nun in der Lage, neue, bisher nie dagewesene Pflanzenarten zu entwickeln, weil er mit der „Urpflanze“ sozusagen den Bauplan schlechthin entdeckt hatte.<a href="#_edn13">[13]</a> Diese Idee aufgreifend, ergänzt Karl Friedrich Schinkel: „Die Architectur ist die Fortsetzung der Natur in ihrer constructiven Thätigkeit. Diese Thätigkeit geht durch das Naturprodukt Mensch.“<a href="#_edn14">[14]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="522" height="494" data-attachment-id="2866" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/veroeffentlichung-akademiereihe-deutscher-werkbund-nrw/07_blaetter/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/07_Blaetter.jpeg" data-orig-size="2550,2412" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1338554579&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="07_Blaetter" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/07_Blaetter-288x272.jpeg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/07_Blaetter-522x494.jpeg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/07_Blaetter-522x494.jpeg" alt="" class="wp-image-2866" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/07_Blaetter-522x494.jpeg 522w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/07_Blaetter-288x272.jpeg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/07_Blaetter-768x726.jpeg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/07_Blaetter-1536x1453.jpeg 1536w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/07_Blaetter-2048x1937.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 522px) 100vw, 522px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pflanzenblätter und Mathematik. Aus: Martin Hess, formvollendet</figcaption></figure>



<p>6<br>„Für (Wright) war das menschliche Leben keine Ausnahme der Schöpfung, sondern ein Bestandteil natürlicher Vorgänge. Alles, was Menschen tun, geschieht in und mit einer Natur, die sie ihren Bedürfnissen anpassen, und in dieser Wechselwirkung tragen sie zum System der Natur bei. Entsprechend sah er auch die Architektur als eine natürliche Äußerung des menschlichen Lebens, die ihrerseits das System bereicherte, innerhalb dessen sie stand. Architektur, Menschheit und Natur waren für Wright also in einem großen, dynamischen Kontinuum miteinander verbunden, und Kontinuität in der Architektur war ein Zeichen dafür, daß die Menschen sich – wo, wie es seiner Auffassung nach sein sollte – in das Gefüge der Natur einordneten.“ <a href="#_edn15">[15]</a> (Edgar Kaufmann jr. 1978)</p>



<p>Nicht erst in heutigen Zeiten globaler Herausforderungen spielt die Architektur eine systemimmanente Rolle. So wie sie einerseits als gebaute Umgebung das Leben ermöglicht und beeinflusst, wird sie andererseits durch die Akteure und ihren jeweiligen gesellschaftlichen Wertvorstellungen ständig neu hervorgebracht; die Architektur entwickelt sich fortwährend als „Entwurf des Zusammenlebens“ <a href="#_edn16">[16]</a>. Auch städtebaulichen Projekten zugrundeliegende Leitbilder wurden immer wieder genährt von Anleihen aus der Natur, wie z.B. dem Aufbau und Wachstum von Organismen (Eliel Saarinen: Die Stadt als Organismus), dem Leben von Insekten (Archigram: Walking City) oder der Struktur der DNA (Kisho Kurokawa: Helix City), wenn auch vielfach über das Ziel, menschengemäße Umgebungen zu schaffen, hinausgegangen wurde: „Architektur muss nicht wie Lebewesen aussehen. Dass sie Leben ermöglicht, so klug und so schonend wie möglich, so tolerant und inspirierend wie möglich, darauf kommt es an.“<a href="#_edn17">[17]</a></p>



<p>Mit dem weltweit gestiegenen Bewußtsein über die Grenzen des Wachstums und der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen <a href="#_edn18">[18]</a> sind „ganzheitliche“ Leitbilder für Gesellschaft und damit auch für Architektur und Städtebau gefragt. &nbsp;Übergreifende Fragestellungen nach z.B. bedarfsorientierten Ressourcenströmen, gerechter und lokaler Nahrungsproduktion, nachhaltiger Mobilität, zukunftsfester Generationengerechtigkeit oder alternativen Wirtschaftssystemen prägen heute die gesellschaftliche Diskussion. Wie kann eine Architektur aussehen, die sich einerseits diesem Fragenkontext stellt und andererseits offen ist für Anregungen aus dem unendlichen Reichtum der Natur?</p>



<p>„Grenzenlos sind die Formen der Natur, grenzenlos sind vor allem die Lehren, die die Natur erteilt.“ <a href="#_edn19">[19]</a></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ednref1">[1]</a> RODIN, Auguste, les cathédrales de France. Paris 1921. Deutsch: Die Kathedralen Frankreichs. Artemis Zürich/München, 1988, S.9</p>



<p><a href="#_ednref2">[2]</a> SCHEUERLE, Hans-Jürgen, Die Gesamtsinnesorganisation – Überwindung der Subjekt-Objekt-Spaltung in der Sinneslehre. Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag 1984</p>



<p><a href="#_ednref3">[3]</a> SCHNEIDER, Wulf, Sinn und Un-Sinn. Architektur und Design sinnlich erlebbar gestalten. Leinfelden-Echterdingen: Konradin Verlag 1995, S. 31</p>



<p><a href="#_ednref4">[4]</a> PETERS, Sascha, Materialrevolution. Nachhaltige und multifunktionale Werkstoffe für Design und Architektur. Basel/Berlin: Birkhäuser Verlag 2010</p>



<p><a href="#_ednref5">[5]</a> WIECHULA, Arthur, wachsende Häuser aus lebenden Bäumen entstehend: Berlin 1925</p>



<p><a href="#_ednref6">[6]</a> Siehe: <a href="http://www.deutscher-werkbund.de/117.html">http://www.deutscher-werkbund.de/117.html</a> (abgerufen am 05.10.2012)</p>



<p><a href="#_ednref7">[7]</a> Vergl. z.B. ROHEN, Johannes W., Funktionelle Embryologie: Die Entwicklung der Funktionssysteme des menschlichen Organismus. Stuttgart: Schattauer Verlag 2011</p>



<p><a href="#_ednref8">[8]</a> KÜKELHAUS, Hugo, unmenschliche Architektur. Köln: Gaia Verlag 1991, S. 6</p>



<p><a href="#_ednref9">[9]</a> AICHER, Florian, Vom Wasser haben wir’s gelernt, in: Bauwelt 13, 2011</p>



<p><a href="#_ednref10">[10]</a> Vergl. HUBER, Dr. theol. Werner T. , Das Gebet von Bruder Klaus, in: <a href="http://www.nvf.ch/qnr067.asp">http://www.nvf.ch/qnr067.asp</a> (abgerufen am 05.10.2012, Stand: 26.07.2010)</p>



<p><a href="#_ednref11">[11]</a> OTTO, Frei, Natürliche Konstruktionen. Formen und Konstruktionen in Natur und Technik und Prozesse ihrer Entstehung. Stuttgart 1982, S. 8</p>



<p><a href="#_ednref12">[12]</a> HESS, Martin, formvollendet. eine sammlung ästhetischer, mathematisch definierter formen. Zürich: Verlag Niggli AG, 2005, S. 115 und 142f.</p>



<p><a href="#_ednref13">[13]</a> GOETHE, Johann Wolfgang, Band 11 der Hamburger Ausgabe in 14 Bänden, München. S. 375</p>



<p><a href="#_ednref14">[14]</a> SCHINKEL, Karl Friedrich, zit. nach Barry Bergdoll, Karl Friedrich Schinkel. Preussens berühmtester Baumeister. München 1994</p>



<p><a href="#_ednref15">[15]</a> KAUFMANN, Edgar jr., Frank Llyod Wright: Plasticity, Continuity and Ornament, in: Journal of the Society of Architectural Historians 37, März 1978</p>



<p><a href="#_ednref16">[16]</a> PIANO, Renzo, Mein Architektur-Logbuch. Ostfildern: Verlag Hatje Cantz 1997, S. 13</p>



<p><a href="#_ednref17">[17]</a> PEHNT, Wolfgang, Lehrmeisterin Natur. Von der „Riesenblase“ zum „Blob“ – ein architekturhistorischer Exkurs, in: archithese 2.02</p>



<p><a href="#_ednref18">[18]</a> Vergl.: MEADOWS, Dennis u.a.: Grenzen des Wachstums. Das 30-Jahre-Update. S. Hirzel Verlag, 2006</p>



<p><a href="#_ednref19">[19]</a> PEHNT, Wolfgang, a.a.O.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">896</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Architektur ganztags! Spielräume für kulturelle Bildung</title>
		<link>https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/architektur-ganztags-spielraeume-fuer-kulturelle-bildung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[wjb]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Aug 2013 09:59:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Veröffentlichung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.willem-jan-beeren.de/?p=890</guid>

					<description><![CDATA[Architektur und NaturDipl.-Ing. Bettina Gebhardt, Prof. Dipl.-Ing. Willem-Jan Beeren In: Dokumentation der Internationalen Tagung zur Architekturvermittlung – gemeinsame Veranstaltung des Deutschen Architekturmuseums, der Wüstenrot Stiftung und des Hessischen Kultusministeriums. kopaed-Verlag, 2013 Mensch Natur und Technik Die Natur ist jedem Menschen zugänglich. Ihre Ästhetik ist visuell und physisch erlebbar und sie bietet intelligente Lösungen. Sie eröffnet [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Architektur und Natur<br>Dipl.-Ing. Bettina Gebhardt, Prof. Dipl.-Ing. Willem-Jan Beeren</p>



<p>In: Dokumentation der Internationalen Tagung zur Architekturvermittlung – gemeinsame Veranstaltung des Deutschen Architekturmuseums, der Wüstenrot Stiftung und des Hessischen Kultusministeriums.</p>



<p>kopaed-Verlag, 2013</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="640" data-attachment-id="1833" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/architektur-ganztags-spielraeume-fuer-kulturelle-bildung/234-4_dam14_gross/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/234-4_dam14_gross.jpg" data-orig-size="960,640" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1412097338&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="234-4_dam14_gross" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/234-4_dam14_gross-288x192.jpg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/234-4_dam14_gross-741x494.jpg" src="http://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/234-4_dam14_gross.jpg" alt="" class="wp-image-1833" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/234-4_dam14_gross.jpg 960w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/234-4_dam14_gross-288x192.jpg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/234-4_dam14_gross-768x512.jpg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/234-4_dam14_gross-741x494.jpg 741w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Mensch Natur und Technik</h2>



<p>Die Natur ist jedem Menschen zugänglich. Ihre Ästhetik ist visuell und physisch erlebbar und sie bietet intelligente Lösungen. Sie eröffnet einen Zusammenhang zwischen biologischen Formen, Strukturen und deren Funktion.&nbsp;</p>



<p>Prinzipien, Problemlösungen aus der Natur lassen sich auf Bauweisen übertragen.</p>



<p>Natürliche Konstruktionen geben&nbsp;Anregungen für technische Umsetzungen, wie z.B. Spinnennetze für Seilkonstruktionen. (Baubionik)</p>



<p>In der Vermittlungsarbeit eröffnet die Schnittstelle zwischen Architektur und Natur einen Zugang zu konstruktiv technischen wie auch formal ästhetische Prinzipien, nachvollziehbar an bekannten Beispielen und in architektonisch-räumlichen Experimenten.&nbsp;</p>



<p>&#8212;</p>



<p>Einleitend wurden die Teilnehmer in die Dauerausstellung des Museums geführt.&nbsp;</p>



<p>22 großformatige Modelle bieten einen Überblick über bedeutungsvolle Stationen der Bau- und Kulturgeschichte &nbsp;„Von der Urhütte zum Wolkenkratzer“</p>



<p>Ein Fragebogen lenkte die Teilnehmer des Forums chronologisch durch die Ausstellung&nbsp;</p>



<p>und regte an die Bauten in Bezug auf ihr Verhältnis zur Natur zu betrachten.</p>



<p>Kleine Abbildungen verwiesen dabei sinnbildlich auf Zusammenhänge:</p>



<h2 class="wp-block-heading">Muschelschale l Natur und Funktion </h2>



<p>Viele Schneckenarten haben ein Haus, das ihnen Schutz bietet. <br>Der Mensch suchte zunächst Schutz vor Witterung und Feinden in natürlich vorgefundenen Höhlen. Die Anfänge der Architektur jedoch sind gekennzeichnet durch die Herstellung <em>künstlicher </em>Behausungen. Entsprechend zeigt das Modell eine Schutzhütte, Terra Amata bei Nizza, um 400.000 v. Chr. &#8211; eine von Menschen errichtete Konstruktion aus Holz, Laub und Steinen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Waben&nbsp;l Natur und Ordnungssysteme</h2>



<p>Eine Bienenwabe besteht aus Reihen regelmäßig angeordneter, nahezu identischer Kammern.&nbsp;<br>Das Modell zeigt Catal Hüyük, um 6500 v. Chr., eine der ersten bekannten Städte in Südanatonlien. Die Stadt bestand aus (recht)eckigen, zellenartig aneinander gebauten Einraumhäusern mit einer Einstiegsluke im Dach. Dicht zusammengedrängt bildeten die geschlossenen abweisenden Wandflächen Schutz vor fremden Eindringlingen und Überschwemmungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pi l Naturwissenschaft und Einfluss </h2>



<p>Die Verhältniszahl Pi war bereits  den Ägyptern zur Zeit des Pyramidenbaus bekannt. Beispielhaft steht sie für naturwissenschaftliche Beobachtungen und daraus resultierende Gesetzmäßigkeiten.</p>



<p>Die 3 Terrassentempel von Der el-Bahari befinden sich in einem Felsenkessel und fügen sich in besonderer Weise in die Landschaft ein. Beobachtungen der Natur und daraus resultierende Erkenntnisse in den Gebieten der Mathematik und Astronomie beeinflussten Bauweise und Ausrichtung dieser Monumentalbauten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wasser&nbsp;l Natur als Lebensquell</h2>



<p>Die Technik der Wasserversorgung im römischen Reich ist wichtiger Bestandteil ihrer Kultur.</p>



<p>Das Modell zeigt einen Ausschnitt der Stadt Pompeji. Das Regenwasser der Stadthäuser wurde zunächst über schräg nach innen geneigten Pultdächer im Atrium gesammelt und dann in eine Piscina abgeleitet. Später versorgten Aquädukte die Städte mit Wasser und Kanalisationen entsorgten diese. Privatbäder, Therme und Brunnen wurden über Gefälle und manuelle Pumpen mit Wasser gespeist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Landschaft&nbsp;l Architektur und Landschaft/ Gesellschaft</h2>



<p>Als die Seemacht im 16 Jht in Italien zunehmend an Bedeutung verliert, wenden sich die venezianischen Kaufleute verstärkt der Landwirtschaft zu. Die Villa, ein vor den Stadtmauern gelegenes Landhaus, gehörte neben dem Palazzo zu den wichtigen Bauaufgaben der Renaissance. Das Modell zeigt die Villa Badoer am Ufer des Scortico gelegen. Andrea Palladio entwirft diese Stadtvilla im Auftrag des venezianischen Edelmanns Franceso Badoer. Der Bau scheint die Landschaft zu umarmen, bildet eine Synthese aus landwirtschaftlichem Gutshof und einem repräsentativem Herrenhaus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Blattgerippe&nbsp;l Architektur und Bionik</h2>



<p>Das Tragwerk eines Stahlskelettbaus ist vergleichbar mit dem Gerippe eines Blattes.</p>



<p>Ein Modell zeigt den Londoner Kristallpalast, eine Ausstellungshalle, die aus Anlass der Weltausstellung in London 1851, vom Landschaftsgärtner Joseph Paxton entworfen wurde.</p>



<p>Der erste öffentlichen Bau aus filigran anmutenden Gusseisenstäben und füllenden Glasfeldern eröffnete in seiner Dimension die Möglichkeit die Natur zu ummanteln. Glaspassagen in Mailand, Projekte mit künstlichen Klimahüllen folgen.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Spielwiese&nbsp;l Natur und Wohnqualität</h2>



<p>Kinder treffen sich auf gemeinschaftlicher Fläche zum Spiel.</p>



<p>Das Modell zeigt die Siedlung Bruchfeldstraße, die wegen der Drehung der Bauten um 45 Grad auch ZickZackhausen genannt wird.1925 initiierte Ernst May als Stadtbaurat und Leiter des Hochbau – u Siedlungsamtes ein städtisches Wohnungsbauprogramm mit dem Ziel der Wohnungsnot entgegen zu wirken &#8211; Das Neue Frankfurt. Innerhalb von 5 Jahren entstanden 12000 Wohnungen. Die Wohnungen waren mit Zentralheizung, Bad und Frankfurter Küche ausgestattet. Unter dem Motto: Licht, Luft und Grün“ entstanden lange Wohnzeilen umgeben von großen Gartenhöfen, Gebäudeform und Organisation auf dem Grundstück sollte die Wohnungen optimal belichten. Grün- und Freiflächen erfüllten auch eine soziale Funktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pflanze im Schutz einer Hand&nbsp;l Nachhaltigkeit</h2>



<p>Das Modell zeigt den Commerzbank Tower Frankfurt, entworfen von dem britischen Architekten Sir Norman Foster. Eine nachhaltige Gebäudetechnik sollte langfristig die Instandhaltungskosten gering halten.Die doppelschalige Klimafassade und 9 spiralförmig angeordnete Gärten ermöglichen eine weitgehend natürliche Belüftung und optimierte Klimatisierung des Gebäudes.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mensch und Natur im Spiegel der Architektur</h2>



<p>Nach der architekturgeschichtlichen Annäherung an das Thema über die Modellausstellung wurde ein phänomenologischer Überblick über die Beziehung von Mensch und Natur durch das Medium Architektur gegeben: Der Mensch braucht zur physischen, psychischen und mentalen Existenz eine „gemittelte“, auf seine Maßstäbe ausgerichtete Umwelt, die künstlich hergestellt wird. Diese menschlich-künstliche Umwelt drückt sich in der Architektur aus. Die Art dieses Ausdrucks kann sehr unterschiedlich sein, z.B. imitierend-abbildend (Vergl. Jugendstil), nachvollziehend-prozesshaft (sog. „Organische Architektur“, vergl. Sullivan, Wright, Häring), übertragend-technisch (vergl. Bionik) oder kontrastierend-geometrisch (vergl. „International Style“). Allen gleich ist die architektonische Raumbildung, die einerseits Naturraum zurückdrängt, andererseits Kunstraum einbettet in einen natürlichen Kontext. Diese architektonische Raumbildung entsteht additiv-zusammenfügend (aus Bauteilen, Bauelementen, Baumaterial), weist aber über die sie begrenzenden Teile (Wände, Decken, Böden etc.) hinaus auf eine Atmosphäre des Beheimatetseins (vergl. Heidegger). </p>



<h2 class="wp-block-heading">Raumaneignung</h2>



<p>Der dritte Teil des Workshops bestand aus einer experimentellen Eigenarbeit. Aufgabe war die modellhafte Erarbeitung eines architektonisch-künstlerischen Raumes zwischen Einbettung und Abgrenzung. Dafür wurde von den Teilnehmern jeweils eine vorhandene Raumsituation (eine Raumecke, eine Treppe, ein Möbelstück o.ä.) ausgewählt und in diese eine neue Struktur eingefügt, die das Bestehende einerseits fortführen und sich andererseits von dieser absetzen sollte. Als Material standen Pappen, Holzleisten, Band und Draht zur Verfügung. Innerhalb kurzer Zeit entwickelten sich sehr individuelle Rauminterventionen, die auf spielerische und individuelle Weise die zuvor reflektierten Themen im Spannungsfeld Mensch-Architektur-Natur aufgriffen. In der experimentellen Auseinandersetzung erfuhr der Workshop eine erfahrungsgeleitete Vertiefung, die dem Thema angemessen scheint. Architektur als zweite Natur bildet den Lebensrahmen der Menschen, eine Auseinandersetzung mit ihr wird zugleich eine Begegnung mit dem eigenen Menschsein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="659" height="494" data-attachment-id="2873" data-permalink="https://www.willem-jan-beeren.de/portfolio/architektur-ganztags-spielraeume-fuer-kulturelle-bildung/dam_01/" data-orig-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/DAM_01.jpg" data-orig-size="1400,1050" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;2.4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;willem-jan beeren&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;iPhone 4S&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1385125044&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;(c) wjb&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.28&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;80&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.05&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="DAM_01" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/DAM_01-288x216.jpg" data-large-file="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/DAM_01-659x494.jpg" src="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/DAM_01-659x494.jpg" alt="" class="wp-image-2873" srcset="https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/DAM_01-659x494.jpg 659w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/DAM_01-288x216.jpg 288w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/DAM_01-768x576.jpg 768w, https://www.willem-jan-beeren.de/wp-content/uploads/DAM_01.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px" /></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">890</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
